Warum unternehmerische Ziele scheitern

Ich möchte diesen Artikel mit einer kleinen Geschichte beginnen. 

Vor einiger Zeit besuchten wir als Team ein Seminar zum Thema Zielsetzung — eine Art Tony Robbins Event für den deutschsprachigen Raum. 

2 Tage lang hörten wir uns alle möglichen Ideen, Beispiele und Konzepte an, unterhielten uns mit anderen Teilnehmern, machten Notizen und fuhren schließlich mit einem guten Gefühl wieder nach hause. 

Das Gefühl war so gut, dass wir ein Jahr später wieder hinfuhren, uns 2 Tage lang Ideen, Beispiele und Konzepte anhören, Notizen machten und uns wieder mit anderen Teilnehmern unterhielten. Viele dieser Teilnehmer und Teilnehmerinnen kannten wir — zumindest vom Sehen — aus dem Vorjahr. 

Die klassische Pausenkonversation lief ungefähr so ab: 

„Und, wie läuft’s?“ 

„Ja, ganz gut. Aber mir fehlt noch der richtige Plan. Deshalb bin ich nochmal hier.“

„Und, hast Du Deinen Fitnessblog in der Zwischenzeit gestartet?“

„Nein, leider nicht. Weißt du, ich zeige mich so ungern vor der Kamera.“ 

Uns begegneten zig Menschen, die offen zugaben, ihre Ziele nicht erreicht zu haben. Oder mehr noch: Menschen, die den ersten Schritt in Richtung ihrer Ziele gar nicht erst gemacht haben.

Warum unternehmerische Ziele scheitern

Es wäre unehrlich zu behaupten, dass wir in dieser Hinsicht die Ausnahme wären. Wir sind alles andere als perfekt. Und wir erreichen definitiv nicht alles, was wir uns vornehmen. Manchmal schießen wir komplett am Ziel vorbei, manchmal erreichen wir es erst einige Zeit später. Und manchmal ändern sich unsere Ziele komplett. Doch egal, was passiert — wir tun etwas, auf das wir stolz sind. Wir legen los. Wir beginnen.

Die Gespräche, die wir auf dem zweiten Seminar führten — gepaart mit unseren eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen in der Zwischenzeit — führten dazu, dass wir dieses Mal nicht mehr so glücklich nach hause fuhren. 

Wir stellten die Idee der Zielsetzung sogar in Frage. 

Denn wenn wir uns 2 Tage lang eine Wagenladung an Informationen zum Thema anhören können und trotzdem nicht das gewünschte Ergebnis sehen, dann muss mehr dazugehören, als das Auge zunächst wahrnimmt. Informationen können nicht alles sein. 

Um es mit den Worten von Tim Ferriss auszudrücken: 

"Wenn mehr Informationen der Schlüssel [zum Erfolg] wäre, dann wären wir alle Superhelden mit einem Sixpack.“ 

Clotaire Rapaille schreibt in seinem Buch The Culture Code:

„Vor Jahren lud mich die Tufts University ein, einen Vortrag bei einer Tagung zum Thema Fettsucht zu halten. 

Ein Redner nach dem anderen nannte Lösungen für das Fettsucht Problem der Vereinigten Staaten. All diese Lösungen drehten sich um das Thema Bildung. Scheinbar wären viele Amerikaner dünner, wenn sie nur wüssten, wie man sich gesund ernährt. Wenn sie wüssten, wie wichtig Sport ist. Durch eine Kampagne, die das Bewusstsein für Sport und die richtige Ernährung stärke, ließe sich das ganze Land abmagern…

Als ich mit meinem Vortrag an der Reihe war, konnte ich mir nicht helfen. Ich begann meinen Vortrag mit einer Beobachtung: „Ich finde es faszinierend, dass alle anderen Redner heute meinten, dass Bildung die Lösung des Problems sein.“

Langsam lies ich meinen Blick durch die Menge wandern. „Wenn Bildung die Lösung ist, warum hat diese Lösung nicht mehr von euch geholfen?“

Die Zuhörer schnappten laut wahrnehmbar nach Luft, als ich diese Worte aussprach. Ein paar kicherten, ein paar machten höhnische Bemerkungen. Dementsprechend wenig überrascht war ich, dass mich Tufts nie wieder zu einem Vortrag einlud.“

Uns allen ist das mehr oder weniger bewusst. 

Ziele scheitern nicht durch einen Mangel an Information oder Bildung. Ziele scheitern, weil sie zu vage oder umkonkret formuliert werden oder nicht mit den eigenen Werten übereinstimmen. Niemand hat etwas gegen ein Sixpack. Doch nur wenige sind bereit, den Weg zum Sixpack zu gehen, sich auf diesem Weg regelmäßig zu überprüfen und nein zu sagen, wenn der Kellner fragt, ob es noch ein Nachtisch sein darf. 

Informationen, Anleitungen, Leitfäden — all das ist enorm wichtig. Doch auch nicht alles. Mindestens genauso wichtig, ist unsere Psychologie. Unsere Einstellung. Unser Wille. Ein konkreter Plan, der unser Handeln leitet. 

Klar — wer etwas neues tun will, muss wissen, wie. Doch sobald das WIE geklärt und zumindest ansatzweise verstanden ist, geht es um etwas anderes. 

Gewohnheiten statt Ziele — Konzentrier’ dich auf die Dinge, die du kontrollieren kannst

Einer meiner Freunde aus Schulzeiten hat vor rund einem Jahr ein Unternehmen gegründet — ein Startup, wie die Kids heute sagen — welches eine mobile Ladestation für Elektroautos entwickelt. Das WIE ist in seinem Fall glasklar: 

Deutschland hat nicht allzu viele Ladestationen für Elektroautos. Eine mobile Ladestation in Form eines Roboters, der auf Knopfdruck zu einem kommt, klingt nach einer plausiblen Lösung. 

Momentan entwickeln die Jungs einen Prototypen, besuchen Messen und pitchen ihre Lösung auf verschiedenen Kongressen. Ob sie damit Erfolg haben, weiß ich nicht. Ob sie damit Erfolg haben, wissen sie in vielen Fällen nicht einmal selbst — große Vision hin oder her. Doch wenn sie keine Messe auslassen, ihre Idee ausreichend oft pitchen, sich mit potentiellen Kunden und führenden Denkern in der Branche unterhalten, dann kommen sie früher oder später vorwärts. 

Anders formuliert: Mein Freund und sein Gründerteam kultiviert die Gewohnheiten, die das Unternehmen weiterbringt. 

Ziele

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Eben diese Gewohnheiten sind die Brücke zwischen Realität und Ziel. Mehr noch: Die richtigen Gewohnheiten machen ein Ziel in manchen Fällen sogar überflüssig. Wer die richtigen Dinge tut, kommt voran. Egal, ob er ein Ziel hat oder nicht. Ein Ziel hilft uns selbstverständlich, die richtigen Gewohnheiten und Systeme zu finden. Mehr jedoch oft nicht. 

Ziele sind Wunschergebnisse, die wir in Zukunft einmal erhalten wollen. Doch wie jedes Ergebnis hängen auch unsere Ziele zum Großteil von externen, unkontrollierbaren Faktoren ab. Unsere Gewohnheiten haben wir dagegen jederzeit selbst in der Hand. 

Ob wir auf einer Messe verkaufen, können wir nicht kontrollieren. Ob wir auf die Messe gehen und dort unser bestes geben, jedoch schon. Wie viele Abonnenten unser YouTube Kanal in einem Jahr hat — auch das liegt nicht innerhalb unserer Kontrolle. Wie viele Videos wir veröffentlichen, ob und wie wir auf Zuschauer Feedback eingehen und wie wir unsere Videos aufbereiten — das wiederum können wir kontrollieren. Und dementsprechend sollten wir uns darauf konzentrieren. 

Was manchen Menschen, mit denen wir uns auf dem Zielsetzungsseminar unterhielten, fehlte, waren die richtigen Gewohnheiten und Systeme. Der Fitnessblog startet sich nicht von selbst. Der YouTube Kanal öffnet sich nicht von allein und die eigenen Videos und Texte werden nicht vom rumsitzen besser. Große Ziele und Ambitionen verkaufen nicht.

Um es mit den Worten von Investor und mehrfachem Unternehmer Ben Horowitz auszudrücken: 

„Ein großes, […] mutiges Ziel zu setzen ist nicht schwer. Schwer ist es, Menschen zu entlassen, wenn du dein Ziel verfehlt hast. Große Träume zu haben ist nicht schwer. Mitten in der Nacht aufzuwachen, weil aus deinem Traum ein Alptraum wird — das ist schwer.“

Bitte versteh’ mich nicht falsch. Es ist kein Fehler, Ambitionen und Zukunftsvisionen zu haben. Die Hoffnung, in einem Jahr mehr zu sein, mehr zu können oder mehr zu haben als heute, treibt uns an. Doch der praktische Ansatz darf dabei nicht zu kurz kommen. Wer ständig in die Ferne guckt und nicht auf den nächsten Schritt achtet, stolpert irgendwann.

Jeder Riese startet als Zwerg

Einer der beiden Google Gründer erklärte bei einem Vortrag vor einiger Zeit, dass er zukünftige Firmen und Unternehmer nach der Frage bewertet, ob sie die Welt verändern werden. Diese Frage von einem der Google Gründer zu hören, ist für viele keine Überraschung. Schließlich hat Google die Welt verändert. Überraschend ist vielleicht, dass Google selbst nicht so begann. Die Idee für Google entstand, weil die beiden Gründer, Larry Page und Sergey Brin, nach einem Thema für ihre Doktorarbeit suchten.

Wer mit der Wayback Machine in die tiefe Vergangenheit des Internets reist, stellt fest, dass kaum ein großes Unternehmen mit einer riesigen Vision begann. YouTube beispielsweise begann nicht als Videoplattform. YouTubes Ziel war es nicht, das Fernsehen neu zu erfinden. YouTube begann als Dating Website. 

Auch Amazon Gründer Jeff Bezos erwähnt immer wieder, dass es für ihn nie einen großen Aha-Moment gab, in dem er beschloss, den größten Einzelhandel der Welt aufzubauen. Auch wenn die Presse das oft anders sieht. 

Ziele

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„Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“. Auch wenn ich erst am Anfang meiner Laufbahn als Unternehmer stehe, so habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass an Klischees, wie diesem, durchaus etwas dran ist. Nicht eine meiner Firmen macht heute das, was ich ursprünglich geplant hatte. Und das meine ich nicht im negativen Sinne.

Denn als mein ursprünglicher Plan entstand, konnte ich noch gar nicht wissen, was auf mich zukommt. Ohne Kundenkontakt eine Vorhersage zu treffen, ist alles andere als einfach. Hätte ich um jeden Preis meinen ursprünglichen Plan beibehalten wollen, so hätte ich eine Menge neuer — und oft besserer — Möglichkeiten verpasst. Kunden sagen dir, was sie brauchen! 

Eine Firma zu gründen, eine Idee zu entwickeln, ein kreatives Projekt zu beginnen — all das ist ein chaotischer Prozess. Dieses Chaos weicht nicht plötzlich, nur weil wir eine lange Liste guter Vorsätze für das neue Jahr haben. Weil wir unsere riesige Vision oder unser mutiges Ziel auf ein „Vision Board“ an der Kühlschranktür kritzeln. Motivation kommt und geht — Gewohnheiten bleiben. Strategien und Systeme bleiben. 

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Über den Autor

Freddy Braun ist einer der Online Marketing Gym Gründer. Freddy hat in den USA studiert und leitet mittlerweile 3 Firmen in unterschiedlichen Branchen. 

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